Wie es nach der Explosion weitergeht…

Aufgrund der Lage des Life Centers in Bourj Hammoud, eine Autominute vom Hafen und der Explosion entfernt, sind die Schäden überall gewaltig. Doch das hält das Life Center nicht davon ab, wie bisher den syrischen Flüchtlingen zu helfen, als auch jetzt die Hilfesuchenden aus der Nachbarschaft mit dem Nötigsten zu versorgen. Das Team vor Ort arbeitet jeden Tag hart, repariert auf der einen Seite das Life Center, während es auf der anderen Seite in der Nachbarschaft die Menschen besucht und warme Mahlzeiten, Sandwiches und Getränke an mehr als 8‘000 Notleileidende verteilt, darunter Flüchtlinge und von der Explosion betroffene Familien. Darüber hinaus haben sie bis heute 350 Lebensmittelpakete weitergegeben und sie planen nicht, bald damit aufzuhören. Der Bedarf ist viel grösser als das, was sie bisher weggegeben haben! Das Life Center bot auch Traumatherapien für 29 Betroffene an.

Ein grosser Dank gebührt unseren Spendern!

All dies ist bereits seit dem 1. Tag dieser Katastrophe im Gang und nur dank der Hilfe von Spenden möglich! Einen ganz herzlichen Dank möchten wir von Feed the Hungry auch im Namen des Life Centers an dieser Stelle all unseren Spendern aussprechen, die sofort, nachdem die Katastrophe bekannt wurde, an das Life Center dachten und für den Wiederaufbau und die Nothilfe gespendet haben!

Das Life Center wird weiterhin:
1. Lebensmittelpakete verteilen
2. warme Mahlzeiten kochen und verteilen
3. Sandwiches machen und verteilen
4. Mietunterstützung geben

1. Lebensmittelpakete

Die Wichtigkeit der Lebensmittelpakete besteht darin, Familien bei der Bekämpfung des Hungers zu helfen und sie ausserdem physisch und psychisch in der Krise zu unterstützen, um ihnen ein Gefühl von Sicherheit und Hoffnung zu geben.
Die Lebensmittelpakete versorgen Familien mit Lebensmitteln und anderen wichtigen Dingen im Wert von ca. CHF 50.–. Derzeit können wir damit 500 Familien versorgen.

2. Warme Mahlzeiten

Dies können wir dank der Küchenausstattung und des Personals im Life Center an 5 Tagen in der Woche durchführen. Es besteht die Kapazität, 200 bis 400 warme Mahlzeiten pro Tag zu kochen. 200 warme Mahlzeiten können für rund CHF 240.– zum Mitnehmen bereitgestellt werden.

3. Sandwiches

Viele Freiwillige helfen, die Strassen zu säubern und zu reparieren, was sie nach der Explosion können. Wir möchten ein Team mit Tischen, Brot, Käse, Gemüse und Wasserflaschen schicken, um Sandwiches zu machen und diese an diejenigen zu verteilen, die die Strassen und kaputten Wohnungen putzen. Die ungefähren Kosten für ein Sandwich und eine Wasserflasche betragen CHF 1.– . Wir können Teams entsenden, um bis zu 500 Sandwiches pro Tag herzustellen und zu verteilen.

4. Mietunterstützung

Wir haben 30 Familien, die dringend Unterstützung benötigen, um die Miete zahlen zu können, weil sie kein Einkommen mehr haben. Wir kennen die Menschen, so dass hier kein Missbrauch geschehen kann. Mit CHF 100.– pro Monat können wir einer Familie helfen, ihr Dach über dem Kopf zu behalten.

Wie das Life Center jetzt Hilfe leistet:
1. Verteilung von Lebensmittelpaketen
2. Austeilung einer warmen Mahlzeit
3. Zubereitung von Sandwich-Broten
4. Mietunterstützung

Helfen Sie jetzt und machen Sie einen Unterschied im Leben vieler Hilfe suchender Menschen!




Rückblick

Anfang November reiste Jean-Pierre Rummens, Vize-Präsident von Feed the Hungry Schweiz und Präsident vom deutschen Verein, nach Beirut um weitere finanzielle Mittel persönlich zu überbringen. Dies wurde nötig, nachdem wir erfahren hatten, dass den Bewohnern und Organisationen in Beirut US-Dollar von ihren Konten nicht ausgezahlt werden, weil der Staat diese konfisziert, um verschiedene Güter für die Bevölkerung zu subventionieren. Zum Glück betraf dies unsere früheren Zahlungen noch nicht. Wir wollten aber sichergehen, dass sie unsere neuen Gelder für den Wiederaufbau und die Hilfe der Not leidenden Bevölkerung auch erhalten. Ausserdem wollten wir uns ein Bild direkt vor Ort von der aktuellen Situation machen, um zu sehen, was schon mit den Geldern gemacht wurde und wo es weiterhin Hilfe und Unterstützung von uns benötigt.

Hier nun ein Rückblick über den Besuch!

Besuch von Jean-Pierre Rummens vor Ort

Mit seinen beiden Söhnen läuft Jean-Pierre Rummens durch das zerstörte Hafenviertel Beiruts. Die Explosion am 4. August fühlt sich auch Anfang November so an, als wäre es gestern gewesen. Wo einst Häuser standen, befinden sich jetzt Ruinen. Dicke Holzbalken stützen manche Gebäude von innen, um zu retten, was zu retten ist. Die Männer laufen an einem Haus vorbei, bei dem Bretter vor die Fenster genagelt wurden, denn durch die Detonation gingen alle Scheiben zu Bruch. Am Abend erfährt Jean-Pierre Rummens, dass dieses Haus, an dem er mittags noch vorbeilief, am Nachmittag zusammenstürzte und Menschen das Leben kostete.

Zerstörte Städte hat Jean-Pierre Rummens schon einige gesehen. Unter anderem in Ruanda oder Bosnien, aber das waren Kriegsgebiete. Dort kämpften Menschen gegeneinander, fügten sich absichtlich Leid zu. In der libanesischen Hauptstadt dagegen waren es knapp 3‘000 Tonnen Ammoniumnitrat, gelagert in einer Lagerhalle am Hafen, die detonierten und für Verwüstung sorgten. Ein Unglück, das innerhalb von Sekunden zu einer Katastrophe für eine ganze Stadt wurde.

Anfang November stieg Jean-Pierre Rummens mit seinen beiden Söhnen ins Flugzeug. Sie selbst wären mit Handgepäck ausgekommen, doch sie reisten trotzdem mit grossen Koffern in den Libanon. Denn er und seine Söhne hatten einiges im Gepäck: Spendengelder, Massen an Medikamenten, Verbandszeug und Alltagsgegenstände, die es in Beirut so nicht gibt — wie ordentliche Küchenmesser.

Das Ausmass der Zerstörung schmerzt

Die Fleischpreise in Beirut sind in die Höhe geschossen. Deshalb sind einige Leute des „Life Centers“ (unserer Partnerorganisation in Beirut) täglich damit beschäftigt, Thunfisch zu angeln. Mit den Messern, die Jean-Pierre Rummens und seine Söhne ins Land brachten, können die Fische richtig filetiert und zubereitet werden. Als er das „Life Center“ nach der Katastrophe das erste Mal mit eigenen Augen sah, wurde es auch für ihn, der schon so viel gesehen und erlebt hat, emotional. „Das zu sehen tut schon weh“, sagt Jean-Pierre Rummens. „Ich kannte hier alles sehr gut, habe hier lange gewohnt. Es ist wie ein Zuhause für mich.“ Ein Wiederaufbau des Viertels sei langsam zu erkennen, sagt er. Immer mehr Kräne füllen die Skyline, Häuser werden errichtet und der Hafen nahm kürzlich den Betrieb wieder auf — wenn auch nur stark eingeschränkt. Das Erdgeschoss des „Life Centers“, in dem sich auch die grosse Küche befindet, wurde ebenfalls wieder aufgebaut. Täglich werden hier bis zu 80 Essenspakete gepackt und ausgegeben. Eine sechsköpfige Familie kann von einem Paket bis zu vier Wochen leben.

„Stück für Stück geht es hier wieder in Richtung Normalität“, sagt Jean-Pierre Rummens. Doch der Schock sitzt bei den Libanesen immer noch tief. „Die Menschen sind wütend, dass nicht mehr passiert“, sagt er. Nicht nur die internationale, sondern auch die nationale Presse habe aufgehört, über die Folgen der Explosion zu berichten. Die Menschen in Beirut zeichne aber vor allem eine grosse Barmherzigkeit aus, sagt Jean-Pierre Rummens. Denn obwohl viele Libanesen durch die Explosion ihr Dach über dem Kopf verloren haben, muss niemand auf der Strasse schlafen. „Hier nehmen die Menschen Fremde bei sich auf. Nicht nur eine Nacht. Sondern auch Wochen und Monate“, sagt Jean-Pierre Rummens.

600 Teddybären zu Weihnachten

Gemeinsam mit Said Deeb, dem Leiter des „Life Centers“, kam Jean-Pierre Rummens auf die Idee einer Weihnachtsaktion.

„Viele Leute haben alles verloren, auch die Kinder haben nichts mehr, was ihnen gehört“, sagt Jean-Pierre Rummens. Das wollen er und sein langjähriger Freund Said ändern. Das Ziel ist es, Kindern etwas zu schenken, was nur ihnen gehört. Zu Beginn hatte er überlegt, Teddybären aus Deutschland einzufliegen. Doch bei 600 Stück wird das mit Zoll und Steuern zu teuer. Deshalb werden vor Ort Spielsachen besorgt und gemeinsam mit Lebensmitteln zu einem Weihnachtspaket verpackt. In mehreren Feiern sollen die Kinder dann ihre Geschenke erhalten. Wenn es die Corona-Pandemie erlaubt, möchte Jean-Pierre Rummens bei einigen Feiern dabei sein und das Strahlen der Kinder sehen. Er hofft auf viele Spenden für die Kinder in Beirut.

Jeder Euro und jeder Franken hilft, das Weihnachtsfest für sie ein Stück schöner zu machen!

„In diesem Jahr werde ich Weihnachten alleine feiern. Meine Söhne sind nicht mehr Zuhause und gehen selbstverständlich ihre eigenen Wege. Alleine zu feiern ist für mich nicht schlimm. Doch wie sieht es mit den Kindern in Beirut aus? Durch die Explosion am 4. August haben viele Kinder mit Eltern und andere buchstäblich alles verloren. Da denken wir natürlich in erster Linie an Hausrat, Geschirr, Möbel, Fernseher, usw. Doch was ist mit dem Lieblingsspielzeugauto oder mit dem Kuscheltier der Kinder? Deswegen habe ich mich bei meinem Besuch in Beirut entschieden, diesen Kindern ein kleines Weihnachtsgeschenk zu machen. Ein Spielzeug, eine Süssigkeit und für die Eltern ein Lebensmittelpaket.“

Das ist unser Aufruf zu Weihnachten in 2020. Helfen Sie mit, damit Kinder und ganze Familien ein unvergessliches Weihnachtsfest inmitten ihrer immer noch katastrophalen Umstände erleben können! Herzlichen Dank!

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